Wir haben bereits über den Ehrenamtspreis der Bürener Bürgerstiftung berichtet, der in diesem Jahr an Ingrid Bischof übergeben wurde. Wer ist die Dame, die den Ehrenamtspreis der Bürgerstiftung erhalten hat?


Das Gesicht hinter der Speisenkammer: Ingrid Bischof

Was Ingrid Bischof und ihr rund 40-köpfiges Team der Speisenkammer sehen, bekommen die meisten Bürener kaum zu Gesicht: Armut in der eigenen Stadt. Immer dienstags zwischen 10 und 12 Uhr stehen in der Briloner Straße 5 auch viele ältere Menschen in einer Schlange, um ein Lebensmittelpaket für sich und ihre Familien entgegen zu nehmen. Zu den aktuell insgesamt 270 bedürftigen „Kunden“ der Speisenkammer zählen auch 165 Kinder und Jugendliche.

Ingrid Bischof kann man als das Gesicht des Speisenkammer-Teams bezeichnen. Die heute 80-Jährige suchte vor 14 Jahren, damals starb ihr Mann, eine passende Aufgabe für ihr weiteres Leben. In der Bürener Speisenkammer unter dem Dach des Caritasverbandes wurde sie seinerzeit von der verantwortlichen Frau Hillebrand in die Ausgabe von Brot und Brötchen eingewiesen. Im Laufe der Jahre hat Ingrid Bischof zunächst kommissarisch und vor vier Jahren offiziell die Regie für den ehrenamtlichen Speisenkammer-Betrieb übernommen.

Das Gesicht vor und hinter der Speisenkammer: Ingrid Bischof ist hauptverantwortlich und jede Woche im Einsatz.

Im Forstamt beruflich lange Jahre gefordert

Organisatorische Aufgaben und Verantwortung war Ingrid Bischof beruflich gewohnt. Die gebürtige Hannoveranerin arbeitete viele Jahre im Staatlichen Forstamt Büren (bis 1996) und anschließend im Regionalforstamt Paderborn/Hochstift – immer im Vorzimmer des jeweiligen Leiters.

Im Team der quasi selbstständigen Speisenkammer ist Ingrid Bischof für die gute Zusammenarbeit von 40 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern verantwortlich. Etwa zehn Fahrer kutschieren mit dem Fahrzeug der Einrichtung samstags, montags und dienstags weitgehend unverdorbenes Brot, Gemüse und Obst von den Discountern in der Stadt und Bäckereien in die Brilonerstraße. Dort beginnt montagnachmittags ein vier- bis fünfköpfiges Frauenteam, das alle Wochen an der Reihe ist, mit dem (Aus)Sortieren der frischen Waren.

Grundnahrungsmittel wie Milch, Eier, Nudeln, Mehl und Zucker müssen mit eigenen finanziellen Mitteln zugekauft werden

Dafür bittet Ingrid Bischof Bürener Unternehmen um Spenden und Hilfe. In der vergangenen Adventszeit unterstützte der heimische Marktkauf-Betreiber das Anliegen mit einer besonderen Aktion.

„Kaufen Sie ein Teil mehr für die Speisenkammer“, lautete die Aufforderung an die Marktkunden.

Viele Bürener machten mit und füllten mit den Waren zehn Einkaufswagen. Marktkaufchef Richard Hesse spendete zwei weitere volle Wagen hinzu.

Alle Bedürftigen bekommen gleiche Waren

Alle Bedürftigen in der Speisekammer bekommen identische Lebensmittel-Pakete – gleiche Mengen für jede Person der Familie „und von allem etwas“, so Ingrid Bischof. „Die Waren reichen vielleicht für drei Tage der Woche“, sagt sie und schätzt den Wert auf jeweils etwa zehn Euro. Ihre „Kunden“ dürften aber auch mal Wünsche äußern. Ausgegeben werden die Lebensmittel in einem Rollverfahren mit Nummern. So wird in den Räumlichkeiten Gedränge vermieden und jeder Bedürftige kommt mal früher und mal später an die Reihe. Ein Türsteher stellt sicher, dass niemand die Reihenfolge umgehen kann.

„Es ist traurig, dass es solche Speisenkammern in einem reichen Land wie Deutschland geben muss“, bedauert Ingrid Bischof diese Unterstützungen und meint: „Es müsste sich vieles ändern.“ Die Politik wäre gefordert, solche Hilfe überflüssig zu machen. In der Bürener Einrichtung hätte sich außer dem Bürgermeister und dem Ortsvorsteher noch kein Ratsmitglied ein Bild von der Situation gemacht. Zwei Pastöre der katholischen Kirchengemeinde hätten bereits geholfen. Sternsinger und Kommunionkinder brachten auch schon Süßigkeiten.

Manche kratzen jeden Cent zusammen

Wie eng die finanzielle Situation bei einzelnen Bürenern aussieht, macht Ingrid Bischof an einem Beispiel deutlich. Ein allein erziehender Mann mit Kind hätte für den einen Euro, den jeder Erwachsene für das Lebensmittelpaket zahlen muss, „jeden Cent zusammen gekratzt“. Zum Monatsende würden manche Bedürftige selbst den kleinen Eigenbeitrag kaum leisten können.

Ingrid Bischof ist mittlerweile von allen Helferinnen und Helfern der Speisenkammer – fast alle sind über 60 Jahre alt, viele über 70 – am Längsten im Dienst. Tagsüber ist die fit gebliebene Dame telefonisch nur schwer zu erreichen. Die ehrenamtliche Aufgabe wäre ihr zur zweiten Heimat geworden, meinen ihre Kinder. Die Mutter und Witwe engagiert sich darüber hinaus als Lesepatin in der Josefschule und hilft der evangelischen Kirchengemeinde bei den Geburtstagsgratulationen für 70-Jährige und Ältere.

Die Zahl der Bedürftigen nimmt zu

„Es hat mir von Anfang an Spaß gemacht“, resümiert Ingrid Bischof ihr Engagement für die Bedürftigen – und räumt ein, dass ihr der Dienst für die Speisenkammer emotional nicht nur leicht fällt: „Manchmal geht es mir an die Nieren, wenn ich sehe, wie bei den älteren Menschen, die zu uns kommen, die Rente nicht zum Leben reicht.“ Nach ihren Erfahrungen in der Bürener Speisenkammer werden diese Menschen auch in der eigenen Stadt immer mehr.

Zwei Fahrer: Heinz Götte (links) und Wolfgang Böhner holen die Lebensmittel mit dem Fahrzeug der Caritas von den Discountern und Bäckereien.Sortieren Lebensmittel: Sabine Koke (links) und Margret Werner sind zwei von fast 30 Frauen, die sich alle sechs Wochen in den ehrenamtlichen Dienst der Speisenkammer stelle

Das Team der Speisenkammer Büren.

Spendenaufruf

Mit den Spenden wird es der Speisenkammer ermöglicht, notwendige Lebensmittel für die bedürftigen Familien zu kaufen.

Kontoverbindung: IBAN DE41 4765 0130 1010 0874 66

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